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5. Tag

Heute sind wir begleitet von der CENCOIC in das indigene Selbstverwaltungsgebiet San Lorenzo de Caldono gefahren. Dort haben wir die Produzent*innen-Gruppe ASPROLE getroffen haben. Von der Landstraße Panamericana abgebogen, ging es über die Berge, vorbei an vielen Kaffeepflanzungen über einen Fluss und wieder hoch in die Berge. Als wir in der Lagerhalle von ASPROLE ankamen, erwarteten uns unter anderem eine Kindermusikgruppe mit Gitarren, Panflöte und Trommeln. Alle haben zu ihren Liedern mitgesungen und mitgetanzt.

Nacheinander stellten die vier Koordinator*innen der Produzent*innen-Gruppe sich und ihre Gruppe vor. ASPROLE ist mit 350 Mitgliedern eine der größten Gruppen der CENCOIC. Neben der großen Lagerhalle mit Büroraum haben sie ein kleines Labor aufgebaut, in dem die Kaffee-Qualität direkt bei Ankauf getestet werden kann.

Außerdem begrüßten uns eine der zwölf gewählten Vertreter*innen des indigenen Selbstverwaltungsgebietes San Lorenzo, in dem rund 15.000 indigene Nasa sich basisdemokratisch selbst regieren, sowie eines der Ratsmitglieder von „Sa‘th Tama Kiwe“, der Vereinigung der sechs Selbstverwaltungsgebiete im Landkreis Caldono. Um auszudrücken, was das indigene Selbstverständnis ihrer Arbeit ausmacht, sagte einer der anwesenden Amtsträger*innen: Wir denken mit dem Herz und arbeiten für das Vorankommen unserer Gemeinden. 

Die Amtsträger*innen sowie Vertreter*innen der Jugendgruppe und der Frauengruppe des Selbstverwaltungsgebietes berichteten uns auch über die derzeitige Situation, ihren Widerstand und ihre beeindruckende Organisierung. Wie in vielen Regionen des Cauca, kämpfen verschiedenen bewaffneten Gruppen um die Kontrolle über die Gebiete und den Anbau von Pflanzungen, aus denen illegale Drogen produziert werden können. Ein großer Erfolg der Gemeinde ist, dass mit Hilfe der Guardia Indigena und der gesamten Gemeinde die Flächen des Selbstverwaltungsgebiets frei von diesen Anpflanzungen ist. Doch die bewaffneten Gruppen versuchen diesen Widerstand zu brechen.

Viele Jugendliche sind früher in die großen Städte oder in andere Regionen migrieren, um dort als Haushaltshilfen oder Tagelöhner ausgebeutet zu werden. Aktuell verdingen sich viele junge Menschen als Tagelöhner in den illegalisierten Anpflanzungen oder werden von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert, oftmals weil andere wirtschaftliche Möglichkeiten fehlen. Immer wieder muss die Gemeinde Särge mit ihren jungen Menschen in Empfang nehmen.


Die Jugendgruppe versucht, dieser Situation zu begegnen: Es fordert die Mitsprache der Jugendlichen in der Selbstverwaltung ein und stellt mittlerweile eine*n eigene*n Vertreter*in im Rat der Gemeinde. Ebenso wird durch kulturelle Aktivitäten die eigene indigene Identität und die Verbundenheit mit der Gemeinde gestärkt. Insbesondere der Erhalt der Sprache Nasa Yuwe ist der Gemeinde und der Jugendgruppe ein wichtiges Anliegen. Außerdem haben sie überall im Ortskern wunderschöne Wandgemälde gemalt und sie kümmern sich um den Schutz der Naturschutzgebiete innerhalb des Selbstverwaltungsgebietes.

Ein weiterer Ansatzpunkt der Gemeinde ist die Stärkung der eigenen, gemeindebasierten und solidarischen Wirtschaft. Es gibt unter anderem eine von der Gemeinde verwaltete Getränkefabrik, eine WhatsApp-Gruppe in der geldfreier Tauschhandel betrieben wird und überschüssige Lebensmittel verschenkt werden, eine eigene Naturheilmittelherstellung und eben die Produzent*innen-Gruppe ASPROLE. So sollen für alle Bewohner*innen des Selbstverwaltungsgebietes, aber vor allem für die jungen Menschen wirtschaftliche Möglichkeiten geschaffen werden.

Am Nachmittag durften wir einen Ort für die Kinder und Eltern der Gemeinde kennenlernen. Dort können die kleinsten Bewohner*innen der Selbstverwaltung hinkommen und vermittelt durch ältere Gemeindemitglieder die Kultur, die Musik, die Sprache und das Weltverständnis der Nasa kennenlernen. So werden sie früh in ihrer Identität und ihrem Widerstand gestärkt. Wir haben in einer Tulpa, einem spiritueller Ort des Zusammenkommens, am Feuer mit den Kindern Lieder gesungen, und unter Anleitung eines Gemeindeältesten eine kleine Zeremonie an einem heiligen Baum, dem Saak Helu, der für die Kraft und Fruchtbarkeit der Natur steht, gemacht.

Nach einem vollen und beeindruckenden Tag sind wir dann wieder die Berge hoch und runter zur Finca der CENCOIC gefahren.

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6.Tag

Heute saßen wir aufgeregt zusammen beim Frühstück, dieser Tag wird super spannend! Wir besuchten die Fincas (Bauernhöfe) der Kaffeeproduzent*innen. Jene Menschen, die die Bohnen anbauen, die ihr jeden Morgen in eure Tassen gießt und genießt.

Unser erster Stopp war bei Don Arelio und Doña Luz Mery Chique sowie ihrer Familie. Direkt an einer kleinen Straße, nicht weit vom Dorfkern des indigenen Selbstverwaltungsgebiets San Lorenzo de Caldono. Direkt hinter ihrem Haus erstrecken sich, die Kaffeepflanzungen. Sie beide bauen seit 8 Jahren Kaffee an und haben jeweils 0,5 Hektar Land, auf dem sie je 2.000 Sträucher anbauen – wie alle Produzent*innen, die wir heute besuchen von der Arabica-Varietät Castillo. Sie sind froh, Teil der CENCOIC zu sein, und freuen sich über die Weiterbildungen und agrar-technischen Verbesserungen, die sie dadurch bekommen können.


Lucia Becoche von der Qualitätsabteilung der CENCOIC und der Agrartechniker John Alexander Tumubala ergänzen, dass fast alle Bäuer*innen auf sehr kleinen Flächen Kaffee anbauen und es deshalb um so wichtiger ist, einen guten Ertrag und eine hohe Qualität zu sichern, um einen ausreichendes Einkommen für die Familien zu erzielen.

Arelio und Luz erzählen, dass sie neben Kaffee auch Mais, Kochbananen und Bohnen für die Selbstversorgung anpflanzen. Die Kaffeepflanzen müssen je nach Varietät nach einer gewissen Zeit erneuert werden, dann dauert es 1 bis 4 Jahre bis sie erneut Früchte tragen. Viele der jetzigen Pflanzen sind 4 Jahre alt, einige stehen gerade in einer wunderschönen weißen Blüte.

In der Zeit ohne eigene Kaffeeernte gehen sie auf andere Fincas, um dort als Erntehelfer*innen zu arbeiten. Viele der Kaffeeanbauenden arbeiten das ganze Jahr über 3 Tage auf der eigenen Finca und 2 Tage für andere Bäuer*innen, um ein zusätzliches Einkommen zu haben. Die CENCOIC fördert die Anbauenden darin, auf ihren Flächen, Pflanzen verschiedenen Alters anzubauen, so dass sie eine dauerhafte Kaffeeproduktion und damit ein dauerhaftes Einkommen haben.

Zwischen den Kaffeepflanzen, stehen Chili-Büsche. Diese halten durch ihren Geruch die Insekten ab, fungieren also als natürliches Anti-Insektizid. Als Dünger verwenden sie Kompost: Hühnermist, Kaffeeschalen und „agua mieles“, das Wasser, welches bei der Kaffeewaschung übrigbleibt. Diese müssen mit Kalk vermischt und mit Bakterien angereichert werden und ergeben dann einen hervorragenden Dünger. In den großen Fässern, in denen der Dünger produziert wird, befinden sich aufgeschnittene Plastikflaschen, als Häuser für die Bakterien. Ein Nebeneffekt ist außerdem, dass die Wasserverschmutzung bei der Weiterverarbeitung vermieden wird, da das übersäuerte Wasser direkt zu Dünger weiterverarbeitet wird.

Die Umstellung auf bio-zertifizierten Anbau dauert 3 Jahre. Die Agrartechniker*innen der CENCOIC erklären bei Workshops wie die Herstellung von Bio-Dünger funktioniert und dann können die Produzierenden diesen auf ihren eigenen Fincas selbst herstellen. Aktuell hat die Kooperative 86 bio-zertifizierte Produzent*innen.

Wusstet ihr schon, dass eine Kaffeepflanze der Varietät Castillo im Cauca im Durchschnitt 300-400 Gramm Pergamin-Kaffee im Jahr trägt? Mit ihren je 2.000 Pflanzen produzieren die beiden also jeweils 800 Kilo café pergamino im Jahr.

Wir bekamen von der eigenen Produktion einen sehr leckeren selbst gerösteten Kaffee zu trinken und fanden auf unserem Weg durch den Hang der Kaffeepflanzungen leckere Orangen, kleine Mangos und Guyaba-Früchte.

Unser nächster Stopp war dann bei Don Antario und Doña Martha mit ihrer Familie. Schon ihre Großeltern waren Kaffeeanbauende. Sie haben auf ihren 2 Hektar 9.000 Kaffeepflanzen und produzieren zwischen 2.000 bis 3.000 Kilo Rohkaffee pro Jahr.

Seit 2019/20 hat Don Antario auf bio-zertifizierten Anbau umgestellt. Mit dem Aufschlag von 7.000 Pesos pro Kilo (knapp 2 Euro), den er für die hohe Qualität und die Bio-Zertifizierung seines Kaffees bekommen hat, konnte er eine Scheune bauen. Er sagt: „Bio-Anbau ist gesünder für die Bäuer*innen und unsere Familien und die Produktion ist ein natürlicher Kreislauf.“ Hühner und Schweine beispielsweise dienen dem eigenen Konsum, zum Verkauf und ihr Mist wird als Dünger weiter verwertet.

Die Familie baut hier auch Bohnen, Mais und Yuka zur Selbstversorgung an. Eine Sau hat gerade süße Babys bekommen, an ihren Ställen vorbei liefen wir zu der Anzucht kleiner Kaffeepflanzen und von dort weiter über die sehr bio-divers gepflanzten Kaffeefelder. Hier wächst der Mais gemeinsam mit Kaffee und Kochbananen und es gibt viele Schattenflächen. Direkt an einem Hang haben wir eine schöne Aussicht auf die Zentralkordillere. Hier blühen die kleinen Kaffeepflanzungen und wir erfahren, dass auch aus den Blüten ein natürlicher Energy-Drink hergestellt werden kann. Don Antario hat einen eigenen Fruchtfleischentferner, sowie einen Trockentunnel.Der spannende und informative Spaziergang durch die Kaffeefelder legen wir zum Teil unter die Pflanzungen tauchend und an steilen Abhängen zurück. Das zeigt uns nochmals wie anstrengend die Ernte für die Anbauenden und die Erntehelfer*innen ist. Das Gehalt für die Tagelöhner*innen ist 30.000 Peso (ca. 7 Euro) und drei Essen pro Tag. Während der Haupterntezeit bekommen sie die Bezahlung pro Kilo Kaffee, den sie ernten.

Zurück am Haus der Familie, welches komplett selbst aufgebaut wurde, gibt es einen super leckeren Eintopf aus den Zutaten des Gemüsegartens zum Mittag. Wir kauften noch ein Paket Eier und bekamen super leckere kleine Paprikas zum Snacken.

Daraufhin sind wir mit vollem Bauch zur dritten Finca gefahren. Doña Luz Angela Patiño hat 1 Hektar Land mit 3.000 Kaffeepflanzen. Ihr Feld liegt im Selbstverwaltungsgebiet von La Laguna Siberia, sie ist Teil der Produzierenden-Gruppe Manantial mit 12 Mitgliedern. Sie düngt 2 Mal im Jahr mit Hühnermist ihrer eigenen Hühner. Außerdem baut sie sehr schöne Blumen an, aber der Kaffee bringt ihr am meisten Geld ein.

Eine Pflanze kann maximal 4 Mal zurückgeschnitten werden, bevor sie nur noch so wenige Früchte trägt, dass sie nicht mehr wirtschaftlich ist. In den Jahren 2022 und 23 war bei Luz die Ernte Menge gering. 2024 gab es eine gute Menge. Für 2025 erwartet sie und die CENCOIC allgemein bei der Kaffeeproduktion eine Steigerung von 10 bis 20 %. Bei der Kaffeeernte unterstützen sich die 12 Mitglieder-Familien gegenseitig, sie nennen es „cambio de mano“ – so brauchen sie wenige oder gar keine Erntehelfer*innen.

Doña Luz ist eine von mehr als 1.000 Frauen, die Mitglied der CENCOIC ist. Sie alle erhalten beim Aufkauf einen kleinen Bonus von der CENCOIC. Auch ihre 18-jährige Tochter hat Interesse am Kaffeeanbau und beginnt dieses Jahr, eigenen Pflanzen anzubauen. Den Kaffee von den Frauen der CENCOIC könnt ihr in unserem starken Espresso Tierra y Luna probieren.

Insgesamt haben w

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7.Tag

Heut waren wir zu Besuch bei der Kooperative Asocal.Die Asociación Campesina de Caldono – ASOCAL, ist eine soziale Organisation, die sich aus Bauern und Indigenen der Gemeinde Caldono im Departement Cauca zusammensetzt.
Dort trafen wir auch die Companer@s von La Libertaria eine Rösterei in Lecco, Italien.
La Libertaria ist eine Genossenschaft, die auf dem kollektiven Eigentum an den Produktionsmitteln und der horizontalen und geteilten Organisation der Arbeit beruht :
Den Tag begannen wir wie immer mit einem leckeren Frühstück in der Finca der CENCOIC „Por Fin“. Es gab Rührei, dazu Arepas mit dem selbstproduzierten Käse aus dem Schulprojekt in Tacueyó und frische Papaya und Bananen mit dem ebenfalls in Tacueyó selbst hergestellten Kaffee-Jogurt. Außerdem probierten wir heute zum ersten mal den sehr leckeren Kaffee von der Finca von Hermes Pete. 

So gestärkt machten wir uns heute ausnahmsweise erst um 8 Uhr auf den einstündigen Weg zur kleinbäuerlichen Anbaukooperative ASOCAL (Asociacion Campesina de Caldono) im Dorf Campo Alegre im Landkreis Caldono. Die Fahrt dahin nutzten wir, um mehr von Hernán Castellanos, dem Koordinator der Kaffeeabteilung der CENCOIC, über die aktuell sehr komplexe politische Situation und deren Bedeutung für die Zukunft der CENCOIC auszutauschen.

Im Sitz der Kooperative wurden wir sehr herzlich von den Mitgliedern der Kooperative in Empfang genommen. Außerdem trafen wir unsere Freunde vom Kollektiv „La Libertaria“ aus Lecco/Italien wieder, die das Glück hatten, hier übernachten zu dürfen. Die Kooperative ASOCAL wurde 1995 von den Bäuer*innen gemeinsam mit politisch organisierten Lehrer*innen gegründet, die in ihrer Freizeit kleinbäuerliche Organisierungen anstießen. Nach einer Vorstellungsrunde mit allen Beteiligten machten wir uns auf den Weg die Finca zu erkunden. Im Grunde ist die Finca ein sehr großer Selbstversorgungsgarten: hier wird Mais, Yuca, Rote Beete, Kartoffeln, Kürbis, Bohnen, Zuckerrohr, Kochbananen, Kräuter, unterschiedliches Gemüse, verschieden Obstsorten und natürlich Kaffee angepflanzt.

Zusätzlich besitzen sie eine Weiterverarbeitungsanlage zum Reinigen und Mahlen für Kochbananen, Quinoa, Gerste, einen solarbetriebenen Trockenofen zur Haltbarmachung von Ananas und anderen Früchten, sowie eine Anlage zum Verpacken von Panela.

Leider haben sie im Moment Probleme bei der Beschaffung von Quinoa und Kochbananen. Bei der Produktion von Panela-Vollrohrzucker in Pulverform ist die lokale Nachfrage nicht sehr hoch. Deshalb ist die Weiterverarbeitung im Moment nicht ausgelastet – in Zukunft soll aber die für uns exportierte Panela dort vereinheitlicht und verpackt werden.

Direkt nebenan ist die eigene Rösterei. Victor Hugo, der Röster der Kooperative, versorgte uns mit allen Informationen. Die Eigenmarke von ASOCAL, Cafe Campo Alegre, wird unter anderem in Popayán vertrieben. Victor Hugo zeigte uns eine größere Menge Kaffeebohnen, die er gerade frisch geröstet hatte für einen Kunden aus Cali, der diesen mit Coca-Tee mischt und weiter vermarktet.

Nach dem Rundgang ging es weiter mit unserem heutigen Hauptthema: 2023 haben wir mit La Libertaria über die CENCOIC Panela-Vollrohrzucker importiert. Mehr über die Panela „Los Tres“, auf Deutsch „Die Drei“, weil bei diesem Projekt die drei ländlichen Sektoren der indigenen, afrokolumbianischen und kleinbäuerlichen Bevölkerung zusammenarbeiten, findet ihr hier.

Der Import war von vielen Schwierigkeiten begleitet. Besonders die bürokratischen Erfordernisse des kolumbianischen und italienischen Zolls haben den Prozess verzögert und verteuert. Wieder einmal merken wir, wie herausfordernd die Produktion und der Export von Nahrungsmitteln für kleine Kooperativen ist. Trotz aller Schwierigkeiten waren wir uns mit allen Beteiligten einig, dass Projekt fortzuführen.

Wir wurden wie immer sehr lecker bekocht. Es gab „sopa y seco“ also ein Eintopf (Sancocho) mit Reis, Fleisch und anderen Beilagen. Der Sancocho, wie der Eintopf genannt wurde bestand aus Mais, Yuca, Kochbananen, Kürbis, Bohnen und reichlich Koriander. Im Anschluss durften wir den am Vortag von ASOCAL und La Libertaria doppelt destillierten vergorenen Zuckerrohrschnaps mit Limettensaft probieren. Eine süß-saures Erlebnis.

Nach dem Mittagessen drehten wir noch eine Runde über die Finca und Don Arcadio gab uns einen Einblick in die angepflanzten Gemüse-Kulturen und die unterschiedlichen Kaffeevarietäten (vor allem Bourbon). Nachdem wir noch ein paar Mangos und Maiskolben fürs Abendbrot mitgenommen hatten, machten wir uns gut gelaunt auf den Heimweg. Auf dem Rückweg kauften wir für alle Eis mit Erdnussgeschmack.

Morgen haben wir einen freien Tag und machen vielleicht einen kleinen Spaziergang in der Nähe der Finca. Vamos a ver… („Mal sehen“)


(Bei Asocal gibt es die Möglichkeit der Weiterverarbeitung von Getreide zu Mehl und Quinoa in Müsli, sie haben eine tolle Anbaufläche für Obst, Gemüse und Kaffee. Und rösten den Kaffee selbst und vertreiben diesen.
Aroma Zapatista und La Libertaria haben gemeinsam über die Cencoic und Asocal Panela importiert, die Zukunft dieses Imports wurde ausgiebig besprochen.)


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9. Tag

Heute hatten wir ein Gespräch mit zwei Vertreter*innen des Obersten Rates des CRIC im „großen Haus“, dem Sitz des CRIC in Popayán. Dort gab es ein großes Wandbild mit den drei zentralen historischen Persönlichkeiten, auf die sich der Kampf der indigenen Gemeinden für Selbstverwaltung und ihre Rechte bis heute bezieht: La Gaitana (16. Jahrhundert), Juan Tama (17./18. Jahrhundert) und Quintín Lame (frühes 20. Jahrhundert)



Wir trafen uns dort mit den Ratsmitgliedern Jhoe Sauca und Rosalba Velasco. Sie erzählten uns über die aktuellen Entwicklungen im CRIC. Die weitere Konstruktion und Festigung der eigenen Wirtschaftsstrukturen ist eins der wichtigsten Ziele für die indigenen Gemeinschaften, um mehr und mehr Unabhängigkeit zu erreichen.

Daraufhin spazierten wir ein paar Hauseingänge weiter und trafen hier das Ratsmitglied Jaime Juspian, der für den Bereich Wirtschaft und Umwelt zuständig ist. Er erklärte uns ausführlicher die Pläne und die Wichtigkeit, eine eigenes Industriegebiet aufzubauen und so die Weiterverarbeitung und den Vertrieb in der eigenen Hand zu haben. Denn nur so bleibt der Gewinn aus den Ernten und den Rohstoffen ihrer Territorien auch bei ihnen und nur so können die Produzent*innen faire Preise für ihre Produkte erhalten.

Außerdem zeigten zwei Mitarbeiter aus der Abteilung eigene Wirtschaft und Umwelt uns eine Präsentation zu ihren aktuellen Projekten und wie sie Wirtschaft und Umwelt zusammen denken wollen. Und wir schauten einen Werbefilm über den eigenen indigenen Tourismus, der auf den Grundsätzen der Bewegung beruht und den Gemeinden zugute kommen soll.

Zum Mittagessen gingen wir dann in das Haus der Kooperative „Buen Vivir“. Es gab frittierte Forelle, natürlich mit Reis und Kochbananen sowie einer leckeren Suppe. Tito Arbey , der Geschäftsführer der Kooperative, nahm uns herzlich in Empfang und berichtete uns während des Essens, über die Verbesserung der Selbstversorgung der Gemeinden durch die Vermarktung und Weiterverarbeitung der eigenen Produktion. In dem Haus der „Buen Vivir“ gibt es neben dem Restaurant für alle Mitarbeitenden des CRIC, einen Laden mit den Produkten die sie verkaufen und einige Büros.

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10. Tag

In den 10. Tag unseres Besuches starteten wir auf der Finca der Abteilung für die Frauen* des CRIC, dem „Programa Mujer CRIC“, mit einem Ritual zur Harmonisierung unter Leitung von Mayora Ortencia Dombe.
(mayora oder mayor werden die weisen, respektierten Gemeinde-Ältesten genannt)

Die Finca hat 35 Hektar und ist seit 2021 in der Hand der Frauen-Organisierung innerhalb des CRIC. Es ist ein weitläufiges, grünes Gelände. Hier betreiben sie Klein- und Großviehhaltung, bauen Gemüse, Kochbananen und vielerlei Heilpflanzen an. Dies geschieht zur Selbstversorgung der Abteilung – außerdem werden zusammen mit dem kolumbianischen Institut für berufliche Bildung SENA Kurse für Frauen aus den indigenen Gemeinden angeboten, um deren wirtschaftliche Selbstständigkeit zu stärken. Und mit den Heilkräuter wird die Verbindung der Frauen* zur Spiritualität belebt. In Zukunft wird hier auch Kaffee angepflanzt – dabei möchte auch das Team der CENCOIC gerne mit Wissen und Tat unterstützen.

Lest mehr zum Programma Mujer in diesem Artikel.

Mayer Sánchez, die Koordinatorin der Frauen-Organisierung des CRIC, und ihre Kolleginnen erzählen uns eindringlich das sie sich dafür einsetzen, dass Übergriffe auf Frauen ernst genommen und als „Notfall“ behandelt werden müssen, und dass es Nachforschung seitens der Selbstverwaltungsstrukturen sowie juristische Folgen geben muss, wenn Männer gewalttätig sind.

Neben vielen Treffen für Frauen, in denen sie sich austauschen, stärken und psychologisch sowie spirituelle Betreuung erhalten, initiierte die Frauen-Abteilung vor zwei Jahren eine Männerschulung, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen über die Ursachen und Folgen patriarchaler Strukturen in den indigenen Gemeinden. 40 Männer aus den verschiedenen anderen Strukturen des CRIc und den Selbstverwaltungen haben mitgemacht.

Es folgte ein Bericht von Natalia, die für die Beobachtungsstelle gegen Frauengewalt des Programa Mujer verantwortlich ist. Dafür werden Berichte von den Selbstverwaltungsstrukturen, der indigenen Krankenkasse sowie der lokalen Frauen-Gruppen zusammengetragen und systematisiert.

In unserem Gespräch gibt es viel Zeit für Nachfragen und Austausch. Gerade in Bezug auf die Kaffeeproduzierenden interessiert uns, wie wird das ökonomische Unabhängigkeit der Frauen gewährleistet wird. Meist haben die Männer die Landtitel. Es gibt generell viele wirtschaftlich orientierte Basisinitiativen von indigenen Frauen, dennoch ist es wichtig die Forderungen nach finanzieller Unabhängigkeit sichtbarer zu machen und die Initiativen zu vernetzen – hierzu gab es letztes Jahr das erste Vernetzungstreffen. Die Frauen-Abteilung des CRIC kämpft dafür, dass Frauen für ihre Arbeit ihren eigenen Lohn erhalten, normalerweise entscheidet der Mann über das Geld, bei Scheidungen haben Frauen wenig ökonomische Rechte.

Letztes Jahr hat auf der Finca der Frauen ein Vernetzungstreffen für indigene Frauen aus Abya Yala (der indigener Name für Lateinamerika) stattgefunden. Die Frauen erzählen, dass es eine super schöne und wertvolle Zusammenkunft war.

Das Programa Mujer CRIC macht außerdem sehr viel Öffentlichkeitsarbeit. In den letzten Jahren wurden drei Dokus produziert und auf internationalen Filmfestivals gezeigt. Themen sind „Frauen in der Guardia Indígena“ (siehe Berichte der nächsten beiden Tage), „30 Jahre Programa Mujer CRIC“ und „Frauen im CRIC“. Außerdem haben sie ein Radio-/Podcast-Serie gemacht. In jedem der 10 Folgen wird eine Form von Gewalt gegen Frauen anhand einer fiktiven Erfahrung dargestellt und anschließend politische Forderungen der Frauen formuliert.

Der Podcast wurde in den lokalen Radiosendern der Bewegung ausgestrahlt, die in den indigenen Gemeinden viel gehört werden. Von verschiedenen lokalen Selbstverwaltungen gab es daraufhin Kritik, dass die Themen zu hart und direkt angesprochen wurden und die Sendung zur Familien-Sendezeit ausgestrahlt wurde, das Programa Mujer aber sagte: es soll alle erreichen, deswegen ist eben genau diese Sendezeit gut.

Die Abschlussworte sprach Majora Ortencia Dombe: „Spiritualität ist sehr wichtig für indigene Gemeinden. Sie müssen ihre eigenen Wurzeln finden, nach innen schauen. Die Erziehung der Kinder muss sich ändern, um Machismo zu bekämpfen, wir müssen die Sachen aussprechen, um sie zu heilen, hier in der Finca der Frauen, haben viele Frauen auch alte Frauen, die noch nie über ihre Erfahrungen gesprochen haben, zum ersten mal darüber gesprochen und sich auf dem Weg der Heilung begeben. Das Reden hat sie bestärkt und zu den eigenen Wurzeln zurückgeführt.“

Zu Mittag aßen wir alle gemeinsam in einer wunderschönen Außenküche zwischen den Kuhwiesen mit weitem Blick über die Felder. Zum Abschied bekamen wir alle eine Flasche Wein, Kaffee, ein T-Shirt des Programa Mujer und ein CRIC-Halstuch geschenkt. Wir waren sehr gerührt von dieser Geste und machten ein schönes gemeinsames Abschlussfoto.

Am Nachmittag besuchten wir die am Stadtrand von Popayán gelegene bewegungseigene Interkulturelle Indigene Autonome Universität UAIIN. In der Tulpa, dem spirituellen Herz der Universität, erzählte uns Rosalba Ipia, eine der Koordinator*innen der Universität, sowie zwei der Mayores, die die Tulpa betreuen, von den Ursprüngen, dem Charakter und den Zielen dieser einzigartigen Institution.

Mehr dazu findet ihr in diesem Artikel und im Kurzfilm, den der Kommunikationsstudiengang über die Uni produziert hat.